Bundesregierung veröffentlicht sechsten Bericht zur Emissionsminderung und Gesundheitsfolgen der Mobilfunktechnologie

Link zur Unterrichtung durch die Bundesregierung


In ihrer jüngsten Unterrichtung des Bundestags sondiert die Bundesregierung, welche Risiken die magnetischen Felder des Mobilfunks mit sich bringen. Hintergrund der Untersuchungen sind die öffentlichen Bedenken gegen mögliche gesundheitliche Gefährdungen durch die von den Netzen erzeugten hochfrequenten elektromagnetischen Felder des Mobilfunks. Wie es in der Unterrichtung heißt, hatte die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Mai 2011 hochfrequente elektromagnetische Felder in die Gruppe 2B der IARC-Skala eingestuft. Stufe 1 bedeutet krebserzeugend (kanzerogen) für Menschen; Stufe 4 heißt dagegen "wahrscheinlich nicht kanzerogen für Menschen".

Nach Einschätzung der IARC gibt es nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand begrenzte Hinweise auf eine krebserregende Wirkung dieser Felder auf den Menschen. "Diese stammen aus epidemiologischen Beobachtungen, können aber nur unzureichend beziehungsweise nicht durch experimentelle Befunde gestützt  werden". Das Bundesamt für Strahlenschutz hält es dem Bericht zufolge weiterhin für erforderlich, durch gezielte Forschung abzuklären, ob negative Auswirkungen mit der Nutzung der Mobilfunktechnik verbunden sind und inwieweit die Feldexposition der Bevölkerung minimiert werden kann.

Im Jahr 2002 hat der Deutsche Bundestag die Bundesregierung beauftragt, alle zwei Jahre über die aktuellen Forschungsergebnisse in Bezug auf Emissionsminderungsmöglichkeiten der gesamten Mobilfunktechnologie und Forschungsergebnisse in Bezug auf entsprechende gesundheitliche Auswirkungen zu berichten (Bundestagsdrucksache 14/8584). Dieser Bitte kommt die Bundesregierung mit diesem sechsten Bericht nach.

Hochfrequente elektromagnetische Felder umfassen den Frequenzbereich von 100 kHz bis 300 GHz und werden allgemein für die drahtlose Informationsübertragung genutzt, neben dem Mobilfunk auch für Rundfunk und Fernsehen und im Haushalt zum Beispiel für Schnurlostelefone, WLAN, Bluetooth und Babyüberwachungsgeräte. 

Maßgeblich für den Schutz vor möglichen gesundheitlichen Auswirkungen der hochfrequenten elektromagnetischen Felder ist nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand weiterhin die Gewebeerwärmung. Erst wenn sich durch die Einwirkung hochfrequenter Felder die Körpertemperatur um deutlich mehr als ein Grad erhöhte, konnten in wissenschaftlichen Untersuchungen gesundheitlich bedeutsame Beeinträchtigungen nachgewiesen werden.

Während diese sogenannten thermischen Wirkungen der hochfrequenten Felder unstrittig sind, dreht sich die öffentliche und wissenschaftliche Diskussion um die Frage, ob sogenannte nicht-thermische Wirkungen bei niedrigen Intensitäten zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen könnten. Nicht-thermische Effekte sind biologische Effekte, die nicht mit einer Erwärmung erklärt werden können. 

Nicht-thermische Wirkungen sind zum Beispiel Kraftwirkungen auf einzelne Zellen. Sie treten im Mobilfunkfrequenzbereich aber erst bei wesentlich höheren Intensitäten auf als die thermischen Wirkungen. Im Bereich niedriger Intensitäten hochfrequenter Felder konnten gesundheitliche Beeinträchtigungen infolge nicht-thermischer Wirkungen in jahrzehntelanger Forschung wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden.

Auch das Deutsche Mobilfunk Forschungsprogramm (DMF; siehe www.emf-forschungsprogramm.de/), das in den Jahren 2002 bis 2008 durchgeführt wurde, widmete sich in verschiedenen Forschungsvorhaben der Frage nach gesundheitlich bedeutsamen nicht-thermischen Wirkungen der hochfrequenten Felder. Es wurden keine derartigen Wirkungen nachgewiesen. Auch die in der Zwischenzeit international durchgeführten Untersuchungen ergaben keinen entsprechenden Nachweis. Daher ist das Fazit des DMF nach wie vor gültig: „Die Ergebnisse des DMF geben insgesamt keinen Anlass, die Schutzwirkung der bestehenden Grenzwerte in Zweifel zu ziehen.“

In der öffentlichen Diskussion spielt auch die „Elektrosensibilität“ immer wieder eine Rolle, also die Frage, ob es Personen gibt, die besonders empfindlich auf hochfrequente Felder reagieren, so dass bei Ihnen diverse gesundheitliche Beschwerden ausgelöst werden könnten. Betrachtet man hierzu die Ergebnisse, die im Rahmen des DMF erzielt wurden, und die der weiteren nationalen und internationalen Studien, so hat sich an der Einschätzung des Bundesamtes für Strahlenschutz, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen den Beschwerden der elektrosensiblen Personen und hochfrequenten elektromagnetischen Feldern nicht nachweisbar ist, nichts geändert. Diese Einschätzung wird auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geteilt (siehe: Elektromagnetische Felder und öffentliche Gesundheit – Elektromagnetische Hypersensibilität (Elektrosensibilität). Fact sheet N° 296 vom Dezember 2005, www.who.int/entity/peh-emf/publications/facts/ehs_fs_296_german.pdf ).

Wissenschaftliche Unsicherheiten bestehen allerdings noch hinsichtlich der Frage nach möglichen Langzeitrisiken bei intensiver Handynutzung über mehr als 10 Jahre. Außerdem könnten Kinder empfindlicher auf hochfrequente elektromagnetische Felder reagieren als Erwachsene. Das Bundesamt für Strahlenschutz sieht weiterhin Forschungsbedarf zur Klärung dieser offenen Fragen. 

Wieso ist dieses Monitoring wichtig?

Netze gibt es nahezu überall. Bis Ende 2015 sollen die letzten Netzwerklücken auf dem Land geschlossen und somit der LTE-Ausbau vollzogen sein. Bis Ende 2014 sollte zudem das bundesweite digitale Funknetz nach dem Standard TETRA (Terrestrial Trunked Radio) für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), wie Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienste, THW aufgebaut. Die bisher genutzten Analogfunknetze, die Frequenzbereiche zwischen 70 und 450 Megahertz verwenden, werden schrittweise abgelöst. 

TETRA wurde von dem Europäischen Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) als professioneller Mobilfunkstandard standardisiert. Es ist ein digitales, zellulares Bündelfunksystem für Sprach- und Datenübertragung und dient dem abhörsicheren Austausch von Informationen in geschlossenen Nutzergruppen. Bündelfunknetze weisen eine ähnliche Struktur und ähnliche technische Daten auf wie die GSM-Netze


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